Microgreen Business in Deutschland – ist das überhaupt möglich?

Microgreen Business in Deutschland – ist das überhaupt möglich?

Steigt man erst einmal tiefer in die Thematik Urban Farming ein, ist der Microgreen-Businesstrend aus den USA längst nicht mehr zu übersehen. In wenigen Jahren hat sich rund um das Thema eine komplette Entrepreneurship-Szene gebildet, wöchentliche Umsätze jenseits der $1000 gehören zum Branchenstandard. So kam uns natürlich schnell die Frage, inwieweit ein Microgreen Business in Deutschland möglich wäre – oder bereits schon ist. 

Ich recherchierte in den letzten Tagen hinsichtlich nationaler Regulierungen, potentiellen Abnehmern und verfügbarer Infrastruktur. Kurzerhand lässt sich sagen, dass ein Microgreen-Business durchaus auch in Deutschland lukrativ sein kann. Voraussetzung hierfür ist es, die Lebensmittelrichtlinien einzuhalten, ein regionales Kundennetzwerk aufzubauen und ein funktionierendes Produktionssystem zu etablieren. Die einzelnen Parameter für ein rentables Microgreen-Business werden in diesem Artikel etwas genauer unter die Lupe genommen.

Microgreen-Business – Was ist das überhaupt?

Grundsätzlich handelt es sich bei einem Microgreen-Business um das Züchten und Verkaufen von Pflanzensprösslingen, oftmals im privaten Umfeld. Der Trend ist insbesondere in urbanen Gebieten zu verzeichnen, da Menschen oftmals nur unzureichende Gartenflächen besitzen und deshalb ihre Pflanzen im eigenen Haus anbauen. Unterschiedliche Abnehmer reichen von Restaurants über regionale Läden bis hin zu Privatpersonen, die über den Wochenmarkt bedient werden. Zur Herstellung werden die Sprösslinge auf Tabletts in normale Blumenerde gesetzt, in ein Lagerregal geschoben und mit Röhrenlampen bestrahlt. Nach ca. 8-12 Tagen können die Microgreens konstant geerntet werden, eine optimale Luftfeuchtigkeit sowie ein Raumklima zwischen 18-20 Grad sind hierbei die Voraussetzungen.

Warum entstand in den USA so ein Hype?

Ein solches Geschäftsmodell bringt viele Vorteile mit sich. Zum einen erweist sich der Herstellungsprozess, auch dank der relativ geringen anfänglichen Investitionskosten unter $500, als kostengünstig und unkompliziert. Hierdurch beschränken sich die Markteintrittsbarrieren lediglich auf die vorhandene Fläche, regulatorische Auflagen sowie das regionale Wettbewerbsumfeld bzw. den vorhandenen Kundenstamm.

Zum anderen ist der Return on Investment, also die Zeit der Kostenamortisierung, bei entsprechender Auftragslage bereits nach wenigen Wochen zu verzeichnen. Hierdurch kann bereits früh ein profitables Geschäftsmodell entstehen, welches schnell über einen Nebenverdienst hinausgeht.

Ein weiterer Grund für den Boom sind mit Sicherheit auch die gesundheitlichen und geschmacklichen Vorteile für den Abnehmer. Während Restaurants regionale Microgreens als Topping für eigene Gerichte verwenden, profitieren private Konsumenten von einer beispiellosen Nährstoffbilanz. Sprösslinge enthalten deutlich mehr Vitamine als ihre ausgewachsenen Geschwister und sind dadurch um ein vielfaches gesünder.

Bei solchen immensen Vorteilen sowohl für Produzenten als auch Konsumenten wirft sich natürlich schnell die Frage auf, wieso der Microgreen-Boom nicht auch schon längst in Deutschland seine Wellen schlägt.

Microgreen-Business in Deutschland

Wie wir schon in mehreren Artikeln dargestellt haben, hat das Thema Urban Farming in Deutschland einen schwierigen Stand. Die hängt sicherlich mit der Mentalität, aber auch mit unserer generellen Lebensmittelversorgung zusammen. Menschen in den USA sind teilweise selbst für Grundnahrungsmittel von wochenlangen Lieferketten abhängig. Deutschland verfügt hier über eine starke und größtenteils zuverlässige Infrastruktur, selbst regionale Produkte sind oft in Supermärkten zu finden. Dieser Umstand kann zu einem weniger ausgeprägten Wunsch nach einer unabhängigen, eigenständigen Lebensmittelproduktion führen.

Weiterhin sind unsere vollen Supermarktregale sicherlich auch ein potentieller Grund für den verlorengegangenen Bezug zu unserem Essen. Solange uns das Produkt schmeckt, sehen wir oftmals keinen Grund für ein etwaiges Hinterfragen der Herstellungsbedingungen. Das mittlerweile durchaus steigende Bewusstsein der Konsumenten für eine nachhaltige und gesunde Lebensmittelversorgung stimmt uns jedoch durchaus optimistisch für die Zukunft. 

Schon bald könnte mit dem Thema Urban Farming also auch das Microgreen-Business mehr Beachtung finden. Dies wird jedoch nur dann zu einem attraktiven Geschäftszweig in Deutschland, wenn die anfänglichen Informationshürden genommen werden und ein detaillierter Guide für alle Interessenten vorliegt. Im Rahmen dieses Blogartikels sind wir deshalb tiefer in die Thematik eingestiegen und haben das größtenteils noch unbekannte, deutsche Marktumfeld unter die Lupe genommen.

Grundlegende Bestimmungen des Lebensmittelrechts

Mit einem Anruf beim Veterinäramt kannst du die regional spezifischen, regulatorischen Anforderungen relativ zügig klären. Als Produzent bist du in der Pflicht, eine hygienisch einwandfreie Produktionskette zu garantieren. Hierzu solltest du die spezifischen Leitfaden zur Sprossen- und generellen Obst- bzw. Gemüseproduktion durchlesen. Beide gibt es dort auf Anfrage.

Aufbau eines regionalen Kundennetzwerkes

Hast du die regulatorische Hürde erst einmal überwunden, kann es jetzt an den Aufbau eines ersten Kundenstamms gehen. Hierzu züchtest du idealerweise erste Sampleprodukte und gehst damit auf Tour. Wir haben in unserem Studentenwohnheim unsere ersten Käufer akquiriert, fang also ruhig in der eigenen Nachbarschaft an. Für größere und konstante Absätze solltest du mittelfristig auch bei Restaurants, regionalen Lebensmittelläden und Wochenmärkten präsent sein. Bei gewerblichen Kunden solltest du vorher anrufen und anschließend mit ersten Produkten vor Ort überzeugen. Für einen Stand beim Wochenmarkt kontaktierst du den jeweiligen Veranstalter für einen Stellplatz.

Implementierung eines effizienten Produktionssystems

Wenn du merkst, dass die Produkte in deinem Ort super ankommen, wird es Zeit für das richtige Equipment. Selbstverständlich kannst du die Anschaffungen auch schon direkt zu Beginn tätigen, ein gewisses Investitionsrisiko bleibt jedoch. Spätestens jetzt gilt es, nicht nur die richtigen Produkte, sondern auch die richtigen Räumlichkeiten zu finden. 

Falls du keinen Keller oder sonstige leerstehende Zimmer zur Verfügung hast, lohnt sich ein Blick in das Miet-Mein-Beet-Konzept. Auf unserer Plattform vermitteln wir freie Flächen und Räumlichkeiten für den Anbau deiner eigenen Lebensmittel. Alternativ kannst du natürlich auch bei Nachbarn oder der Stadtverwaltung anfragen. Nachdem du einen geeigneten Platz gefunden hast, geht es um dein Produktionssystem. Das richtige Equipment ist das A und O eines effizienten Geschäftsmodells. Hierzu werden wir in einem separaten Blogartikel die wichtigsten Komponenten mit unseren Empfehlungen auflisten. Selbstverständlich sind Größe und Anzahl der verschiedenen Produkte von deinem verfügbaren Platz abhängig. Nun ist es wichtig, eine effiziente Produktion zu etablieren und optimal auf die vorhandene Nachfrage abzustimmen. Führe hierzu ein Auftragsbuch und definiere klar, wann welche Kapazitäten zur Verfügung stehen. Entwickle basierend darauf deine tägliche Anbauroutine sowie entsprechende Ernte- und Lieferzyklen für deine Kunden.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Vertrieb von Microgreens auch in Deutschland ein durchaus lukratives Geschäftsmodell darstellen kann. Die vorhandenen Markteintrittshürden sind relativ leicht zu überwinden, zudem hast du mit diesem Guide und unseren Produktempfehlungen alle Voraussetzungen für deine erste erfolgreiche Farming-Karriere. 

Jetzt liegt es an dir, ob du Zeit und Lust hast, mit Microgreens nicht nur etwas gutes für dich, sondern für deine gesamte Gemeinschaft zu sähen. 

Viel Erfolg!

Stephan

kümmert sich um die Eventorganisation, die Content Creation sowie das Corporate Design unserer Marken Refarm & MMB.

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